Mai 31

Ich hab keine Lust mehr auf den blöden Gedanken, nur weil man schreibt, müsste man umgehend veröffentlichen. Seit ziemlich genau einem Jahr macht er mich narrisch. Machen Menschen mich narrisch. Gaga. Kirre. Ich schreibe und das erfüllt mich total. Ich schreibe nicht nur einfach vor mich hin, ich denke vorher, währenddessen darüber nach. Hinterher. Logik, Sinn, Schönheit sollen in dem stecken was ich schreibe. Qualität. Es soll Herzen berühren. Und wenn das zuerst einfach mein Herz ist, dann reicht das aus. Darum schreibe ich. Das ist der einzige Grund, warum ich schreibe. Weil ich bei kaum etwas anderem so glücklich, so richtig, so nah an Gott bin.
Aber wer hat mir eigentlich jemals diese verblödetete Dummheit in den Kopf gepflanzt, dass ich, nachdem ich ein einziges Manuskript für mich zufriedenstellend beendet und erarbeitet habe, es gleich veröffentlichen muss? Wer entscheidet das, dass ich das muss? Ich bin Autor und Schriftstellerin, egal ob eine ISBN auf meinem Geschreibsel steht, oder nicht. Und wenn nur Gott und ich das wüssten, dann wäre das genug.

Ich habe es so satt erzählt zu bekommen, dass auch Schriftsteller und Künstler sich heutzutage verkaufen können müssen, sich selbst promoten, für sich werben. Wisst ihr was? Nö.
Ich habe viel zu lange versucht als Mensch zu leben, der anderen gefällt und zwar jedem anderen. Hab hinter Masken gelebt und doch nur Ablehnung erfahren, gemerkt dass es nichts bringt sich zu verstellen. Verletzt wurde ich, egal ob ich ich war, oder eine andere. Ob ich frech war, oder sarkastisch oder lieb. Und gerade weil ich heute freier bin denn je, weil Gott mich da rausgehauen hat, werde ich nie niemals wieder dorthin zurückkehren. An den miesen, beschissenen Ort, an dem man lächeln muss, obwohl es einem schlecht geht, an dem man nur noch Oberfläche ist und nicht mehr Tiefe. An dem man kein Mensch mehr sein darf, weil irgendwer einem erzählt hat, man dürfe das nicht. Man müsse nur funktionieren und vor allen Dingen sein wie alle anderen. Nur!
Ich will schreiben und reden wie mir der Schnabel gewachsen ist, ich will leben, was ich empfinde und echt sein. Ich will mich nicht mehr entschuldigen, dass ich bin wie ich bin. Fühle was ich fühle. Und glaube, was ich glaube. Ich will mich mit einem Herzen randvoll mit Freude und Energie, mit Leidenschaft und Begeisterung in einer Welt aus Kritik und Konkurrenz, aus Depressionen und Shitstorms nicht mehr schämen, nur weil ich anders bin. Ich will endlich, dass ich mich nicht mehr schlechter fühle, nur weil es mir aus Gott und meinem Ich heraus eigentlich immer ein bisschen heller und bunter geht, als dem Rest der Menschheit um mich herum. Ich will leben. Und ich werde es. Und wer nicht mitzieht, der soll von mir aus in seinem Trauerloch hocken bleiben und meckern und lästern und fiese Posts auf Facebook posten.
Nicht mehr mit mir.

Und um den Bogen zum Schreiben extrem kunstvoll wieder herumzuschlagen: Vielleicht ist es nicht dran, etwas zu veröffentlichen. Vielleicht bin ich nicht soweit. Vielleicht auch nie. Vielleicht ist das egal, weil ich es liebe zu schreiben, nicht zu verlegen. Weil meine Liebe und Gottes Liebe genug sind. Vielleicht sind Gottes Pläne später, aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlich viel größer. Vielleicht warte ich einfach. Bis eine Tür aufgeht, ohne dass ich erst eine Sprengladung daran anbringen muss. Vielleicht ist es ja ganz einfach. Vielleicht muss ich ja gar nicht. Gar nichts.
Vielleicht ist das naiv?
Vielleicht bin ich ja auch endlich, endlich ein Kind, das seinem allmächtigen Papa zu vertrauen beginnt.