Fliegen oder Fallen.

Juni 12

Gerade schwerwiegende Mail losgeschickt. Weiß, dass das richtig war. Unsicherheit versucht mich vom Gegenteil zu überzeugen. Aber ich weiß es besser. Leider? Fühlt sich teilweise so an. Aber das ist vertrauen lernen. Loslassen lernen. Eigene Ideen, Pläne. Zugunsten von jemand von dem man wissen sollte, dass er es besser weiß, besser macht als das eigene Hirn sich vorstellen kann. Oh man, wie sehr hänge ich doch an der Illusion besser zu wissen… und daran, dass es niemand mit mir besser meinen könnte als ich selbst.
Aber es hilft nichts. Entweder von der Klippe springen, alles auf eine Karte setzen, oder umdrehen, weggehen und nicht mehr daran denken. Aber niemals mehr am Rand der Klippe stehen und stehen und stehen und warten… und zögern… und Zeit wie einen schmutzigen Fluss an mir vorbeidümpeln lassen.
Aber weggehen ist letztlich nicht besser als zu springen und zu fallen…
Aber was wenn der Adler mich doch fängt und wir fliegen?

Worauf es ankommt

November 28

Viel zu schreiben?
Schnell zu schreiben?
Gut zu schreiben?
Überhaupt zu schreiben?

In den letzten Wochen, fast Monaten ist mir eine Möhre nach der anderen begegnet. Eigentlich ein blöder Vergleich, denn ich mag Karotten nicht mal gerne. Aber eben sprichwörtliche Möhren, die einem gut angeleint vor die Nase gehalten werden. Es waren ganz unterschiedliche, gut getarnte Möhren. Riesige Möhren.
In meinem Fall sind diese Möhren Versprechen der Sicherheit. Ich suche, wie vermutlich in unterschiedlicher Stärke jeder Mensch, Sicherheit für mein Leben. Und das obwohl die Erkenntnis, dass es keine Sicherheit auf dieser Welt gibt, mein Hirn schon lange besucht hat. Unterbewusst heische ich danach das eine oder andere sicher und fest zu haben. So ein Schmarrn.
Aber die Möhren wurden enttarnt, gestern auch die letzte. Und das war die, die mich am meisten überrascht, geradezu geschockt hat. Denn ich hätte nie geahnt, dass auch das Schreiben ein Lockmittel sein kann.
Aber seit Wochen schon habe ich mich drauf verlassen. Richtig darauf gestützt. Klingt jetzt vielleicht total lächerlich für einige, aber ich habe mich darauf verlassen, Bücher zu verlegen. Sehr bald das erste. Warum? Um versorgt zu sein. Habe gehofft, gewünscht, mich fast darauf verlassen, dass danach eins nach dem anderen käme. Finanzieller Zuverdienst, vielleicht auch die Anerkennung von solchen Menschen, die mich früher und auch heute für unauffällig, durchschnittlich, kurz für uninteressante Massenware hielten. Tja, da war er immer noch, der kleine rebellische „Ich zeigs euch“-Geist, der sein Unwesen in mir trieb. Vermutlich auch jetzt noch lauert, beleidigt, dass seine Tarnung mal wieder aufgeflogen ist, wartend, wann ich das nächste Mal unaufmerksam bin.

Das Problem an der ganzen Sache ist, dass du verloren bist, wenn du dir all das eingestehst. Melancholie, trübe Gedanken, Selbstzerstörung und -kritik. Da bin ich immer noch in Gefahr ganz schnell wieder in dem schwarzen Strudel aus Trübsinn zu versinken wie in einem Gulli. Mjam.
Aber weißt du was? Gott hab mich lieb. Und er hat mir das aufgedeckt und mich mit der Wahrheit konfrontiert, um mich davor zu retten, ins Feuer zu rennen. Und er lässt einen mit einer hingeklatschten Wahrheit über die eigene Dummheit oder Schwäche nicht einfach hocken und es alleine ausbaden. (igitt, wo wir doch gerade bei Gullis waren…). Er sagt nur „Miri, ich bin der einzige, der sicher ist. Und du gehörst mir. Keine der scheinbaren Sicherheiten, die so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind und dich hilflos zurücklassen, sollen dich kriegen. Mach die Augen auf. Verlass dich auf mich. Nur auf mich.“

Das ist manchmal sehr unbequem. Sehr langwierig. Sehr geduldsstrapazierend. Und ganz ganz ganz oft nicht so, wie ich mir das vorstelle und gerne hätte. Aber wisst ihr was. Es ist besser. Dauer länger. Aber ist am Ende besser. Und darauf verlasse ich mich jetzt.

In diesem Sinne… beginnen wir doch die philosophisch Geist-Gottes-getränkte Vorweihnachtszeit. Ich verabschiede mich in ein Wochenende mit Nachwuchsautorenseminar und hoffe dass dat auch gaaaaanz anders wird, als ich, in diesem Fall, fürchte 😉