Worauf es ankommt

November 28

Viel zu schreiben?
Schnell zu schreiben?
Gut zu schreiben?
Überhaupt zu schreiben?

In den letzten Wochen, fast Monaten ist mir eine Möhre nach der anderen begegnet. Eigentlich ein blöder Vergleich, denn ich mag Karotten nicht mal gerne. Aber eben sprichwörtliche Möhren, die einem gut angeleint vor die Nase gehalten werden. Es waren ganz unterschiedliche, gut getarnte Möhren. Riesige Möhren.
In meinem Fall sind diese Möhren Versprechen der Sicherheit. Ich suche, wie vermutlich in unterschiedlicher Stärke jeder Mensch, Sicherheit für mein Leben. Und das obwohl die Erkenntnis, dass es keine Sicherheit auf dieser Welt gibt, mein Hirn schon lange besucht hat. Unterbewusst heische ich danach das eine oder andere sicher und fest zu haben. So ein Schmarrn.
Aber die Möhren wurden enttarnt, gestern auch die letzte. Und das war die, die mich am meisten überrascht, geradezu geschockt hat. Denn ich hätte nie geahnt, dass auch das Schreiben ein Lockmittel sein kann.
Aber seit Wochen schon habe ich mich drauf verlassen. Richtig darauf gestützt. Klingt jetzt vielleicht total lächerlich für einige, aber ich habe mich darauf verlassen, Bücher zu verlegen. Sehr bald das erste. Warum? Um versorgt zu sein. Habe gehofft, gewünscht, mich fast darauf verlassen, dass danach eins nach dem anderen käme. Finanzieller Zuverdienst, vielleicht auch die Anerkennung von solchen Menschen, die mich früher und auch heute für unauffällig, durchschnittlich, kurz für uninteressante Massenware hielten. Tja, da war er immer noch, der kleine rebellische „Ich zeigs euch“-Geist, der sein Unwesen in mir trieb. Vermutlich auch jetzt noch lauert, beleidigt, dass seine Tarnung mal wieder aufgeflogen ist, wartend, wann ich das nächste Mal unaufmerksam bin.

Das Problem an der ganzen Sache ist, dass du verloren bist, wenn du dir all das eingestehst. Melancholie, trübe Gedanken, Selbstzerstörung und -kritik. Da bin ich immer noch in Gefahr ganz schnell wieder in dem schwarzen Strudel aus Trübsinn zu versinken wie in einem Gulli. Mjam.
Aber weißt du was? Gott hab mich lieb. Und er hat mir das aufgedeckt und mich mit der Wahrheit konfrontiert, um mich davor zu retten, ins Feuer zu rennen. Und er lässt einen mit einer hingeklatschten Wahrheit über die eigene Dummheit oder Schwäche nicht einfach hocken und es alleine ausbaden. (igitt, wo wir doch gerade bei Gullis waren…). Er sagt nur „Miri, ich bin der einzige, der sicher ist. Und du gehörst mir. Keine der scheinbaren Sicherheiten, die so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind und dich hilflos zurücklassen, sollen dich kriegen. Mach die Augen auf. Verlass dich auf mich. Nur auf mich.“

Das ist manchmal sehr unbequem. Sehr langwierig. Sehr geduldsstrapazierend. Und ganz ganz ganz oft nicht so, wie ich mir das vorstelle und gerne hätte. Aber wisst ihr was. Es ist besser. Dauer länger. Aber ist am Ende besser. Und darauf verlasse ich mich jetzt.

In diesem Sinne… beginnen wir doch die philosophisch Geist-Gottes-getränkte Vorweihnachtszeit. Ich verabschiede mich in ein Wochenende mit Nachwuchsautorenseminar und hoffe dass dat auch gaaaaanz anders wird, als ich, in diesem Fall, fürchte 😉

Oh mein Gott!

November 4

…das habe ich mir am gestrigen Tag mehr als einmal gedacht. Waren zu zweit auf dem Netzwerktreffen „United for Christ“. Hat wieder reingehauen. Erstaunlich wie man sich zugleich wie ein riesiger Haufen an Problemen und trotzdem unglaublich erfrischt und stark fühlen kann. Als wäre die persönliche Klinge geschärft worden, mit der man die täglichen Kämpfe bestreitet. Die Kämpfe sind noch da, aber man fühlt sich gewappneter.

Leider vergeht ein „Feeling“ so schnell wieder und es wird sich in den folgenden Tagen und Wochen zeigen, ob man auch ohne ein Herzgeflattergefühl fähig ist, die Klinge jeden Tag neu zu schärfen. Wetzstein anlegen und schleifen, schleifen, schleifen.
Bin aber gerade vor allen Dingen dankbar für eine neu fokussierte und eingestellte Sicht, für eine größere Aussicht, größer als mein eigenes Vorstellungsvermögen. Ja und genau die hat auch was mit dem Schreiben zutun. 😀 *Honigkuchenpferdgrins*

Na dann, auf in den Kampf…

Sie ist wieder da!

November 1

Nein, nicht ich, sondern die Schreibwut. Nachdem ich gestern in der Mittagspause begonnen hatte wieder mal ein bisschen weiterzutippen, kehrte sie zu mir zurück. Die Zeilen füllten sich so einfach, auch das Wissen darum, dass manch ein Satz später völlig umgestellt, erneuert oder auch ganz vernichtet werden muss, hielt mich nicht auf… Ich liebe sie, die Schreibwut. Buchstaben reihen sich ganz einfach aneinander und es spielt plötzlich keine Rolle mehr, wie gut es sich anhört, ob es perfekt ist oder später komplett geändert werden muss. Es geht um die Geschichte, um die Charaktere und all das lebt. Man erschafft etwas lebendig Pulsierendes. Dazu lohnt es sich zu schreiben! Nicht für Geld, fürs Veröffentlichen, für Bekanntheit oder Ruhm. Es geht die Erfüllung. Bin mir wieder einmal aus tiefstem Herzen sicher, dass Schreiben meine Bestimmung, meine Erfüllung ist, denn nichts anderes füllt mich so aus. Danke Gott, dass ich das schon so früh wissen durfte, auch wenn’s oft in Vergessenheit geriet. Schreiben und Gott. Für Gott schreiben. Mit Gott schreiben! That’s it! Yai!