März 24

ImmerdieSeeleAls die 16-jährige Cole den Londoner Tower besichtigt, wird sie von einer unglaublich realistischen Vision heimgesucht: Sie erlebt eine Jahrhunderte zurückliegende Enthauptung! Und dieses Erlebnis bleibt kein Einzelfall. Wohin Cole auch geht, was sie auch berührt, seit Kurzem fühlt sie sich ständig in andere Zeiten und an fremde Orte versetzt. Wird sie vielleicht verrückt? Nur einer scheint sie zu verstehen: der Amerikaner Griffon, den sie in London kennenlernt. Doch Stück für Stück entdeckt Cole, welch dunkles Geheimnis sie und Griffon verbindet. Kann sie dem Jungen, den sie liebt, wirklich vertrauen?

Ich mag kein Rosa, aber dieses Cover habe ich geliebt. Verträumt, zauberhaft. Wunderschön. Und auch die Titelwahl finde ich sehr stimmig. Das sind die Dinge, für die es den zweiten Stern gibt. Ansonsten, ärgere ich mich nämlich richtig über das Buch. Dafür gibt es viele Gründe. Die fangen bei Winzigkeiten wie der konstruiert cool wirkenden Spitznamenwahl „Cole“ für Nicole und „Kat“ für Katharina an und gehen bis zu einer seicht dahinplätschernden und dazu noch leicht vorhersehbaren Handlung.

Doch alles der Reihe nach. Zuerst haben wir da den Schreibstil. Der ist gebündelt und glatt. Keine großen Schnörkel, leicht zu lesen. Allerdings entsteht dadurch auch eine gewisse Flachheit, die die Charaktere und das Geschehen für den Leser hinter eine Glaswand schließt und man niemals das Gefühl hat in etwas Reales, Lebendiges einzutauchen. Ich bin außen gewesen, habe immer nur betrachtet, konnte gerade Cole, trotz der Ich-Perspektive, stets nur objektiv betrachten, wurde niemals von ihren Gefühlen mitgerissen, obwohl es derer viele gibt. Verzweiflung, Leidenschaft, Panik, Wut. Daran erinnere ich mich, weil es da gestanden hat, nicht, weil ich es gefühlt habe. Schade. Und für mich ein extrem großes Manko.

Wo wir dann gerade bei Charakteren sind, ist Griffon, der männliche Protagonist dran. Er ist genau das, was ich der aktuellen Jugendliteratur im Bereich Dystopie vorwerfe: Eindimensional und nur über eine Charaktereigenschaft definiert: Seine Liebe. Die bestimmt, welche Stimmung er hat, welche Entscheidungen er trifft, rechtfertigt seine Anwesenheit. Ansonsten marschiert Griffon lässig mit einem wächsernen Lächeln im Gesicht durch die Geschichte und ist einfach nur anbetungswürdig. Keinem realen Mädchen wünsche ich einen solch hirnlosen Freund, dessen Charakter sich nur darüber definiert, dass er auf Knien vor hier herumrutscht und alles für sie tun würde, oder zähnefletschend um sie herumspringt, um jeden potenziellen Feind anzufallen.

Der Spannungsbogen der Handlung verläuft einen Großteil des Buches über relativ flach, was aber insofern in Ordnung ist, da es eben eine Liebesgeschichte ist, es folglich um Beziehung geht. Obwohl selbst das sehr äußerlich behandelt wird, da ist keine Tiefe in der Nähe von Cole zu Griffon. Gewürzt wird diese Lovestory ja mit dem Mysteryanteil Wiedergeburt. Als dieses Element die heile Verliebtenwelt der zwei Protagonisten plötzlich erschüttert, hält der Leser kurz den Atem an und blättert um. Und ganz schnell stellt sich die Atmung wieder ein, denn das Drama ist schnell abgespult und die Konsequenzen die aus Coles und Griffons Beziehung aus einem früheren Leben erwachsen, werden künstlich und tragisch aufgepuscht. Damit wird dann Coles wirklich überstürzt dumme Handlungsweise gerechtfertigt und das Ganze in einem extrem konstruiert wirkenden und vorhersehbaren Showdown gebündelt.

Ich wollte das Buch wirklich mögen. Aber ich bin weder spannend und fesselnd unterhalten worden, noch wurde ich mit hinein genommen und durfte mitfühlen. Es war nicht möglich, sich den Charakteren anzunähern, noch die Augen davor zu verschließen, dass man ab der Hälfte des Buches schon ahnt worauf es hinausläuft. Es war leicht zu lesen. Okay, aber auch sprachlich hat der Text mich weder herausgefordert, noch beeindruckt, es mir nur leicht gemacht. Und am Schlimmsten: Es ist so offensichtlich (aus der Boutiqueszene mit dem Anhänger Coles), worum es im nächsten Buch wahrscheinlich gehen wird. Ich sage nur „Liebe der Gegenwart vs. Liebe aus der Vergangenheit“ und wieder mal haben wir eine Dreiecksgeschichte. Ich hoffe wirklich, dass ich damit im Unrecht bin, aber ich werde es später aus anderen Rezensionen erfahren müssen, denn lesen werde ich den zweiten Band sicher nicht.
Das ging voll daneben…