Januar 17

Wir sind alle Kerzen. Ich bin eher so ein größeres Teelicht, würde ich schätzen, aber bitte in orange. Du bist vielleicht ne richtig eindrucksvolle Stumpenkerze. Oder eine gerollte Bienenwachskerze? Es gibt sie in groß und klein, rund, eckig. Manche sehen aus wie Blumen, oder Steine. Da sind die hochaufgeschossenen Exemplare für Leuchter, die festlich silbern oder golden glänzenden. Ach ja und Farben haben sie alle des Regenbogens. Manch eine duftet sogar. Die einen brennen länger, die anderen kürzer.
Aber etwas haben sie alle gemeinsam: Ihre Bestimmung ist es, zu leuchten.
Natürlich, manche sind so schön, dass man sie sich einfach hinstellt, zum Anschauen, zum hübsch Finden. Aber ihre Bestimmung ist es, zu leuchten. Licht in die Dunkelheit zu bringen.
Nur haben Kerzen dabei ein kleines Problem, sie sind zwar dazu gemacht zu brennen, aber nichts an ihnen hat irgendwas an sich, das Feuer erzeugen kann. Von sich selbst aus, sind sie nicht mal warm, geschweige denn heiß.
Jede einzelne braucht Feuer. Eine Flamme, die sie anzündet. Und für alle Kerzen dieser Welt braucht es keine ebenso große Anzahl von Flammen. Eine einzige genügt. Hm, natürlich schwierig eine zu finden, die lange genug brennt. Da fällt mir eigentlich nur die größte, heißeste und scheinbar endlose Flamme der Sonne ein. Ja sozusagen die selbst ganz Flamme ist.
Und wenn Kerzen erstmal brennen, ist es völlig unwichtig wie sie aussehen. Sobald es dunkel wird, zählt nur noch das Licht, das sie aussenden. Nur noch die Flamme, die sie nicht selbst sind. Die sie tragen und nähren dürfen. Und die übrigens vielleicht mal größer oder kleiner scheint, mal flackert oder ruhig brennt, die aber auf allen Kerzen dasselbe ist. Alles ist Feuer.