Oktober 19

Heute ein kleiner Einblick in meinen täglichen Kampf mit Charakteren, die nervtötend sind. Schlimmer als echte Menschen, weil bei denen muss man sich ja nicht sagen lassen „die hast du doch selbst erfunden“.

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Zuerst haben wir S. Mein Antiheld aus der Antiheldendystopie. Arrogant, gefrorene Umgangsformen, humorlos, schneidend kalt und weigert sich immer wieder den Befehlen der Autorin zu folgen. Verlieben? Geht ja gar nicht. Schwäche entdecken? Äh, was ist das noch mal? So ein Typ, bei dem man sämtliche Geschütze auffahren muss, damit sein dämlicher Stolz überhaupt mal einen Knacks bekommt. Und Dialoge? Tja, um so etwas zu bekommen, muss man ihn erstmal zum reden bringen! Sein Lieblingswort ist übrigens „Kontrolle“. Hurra…
Das Problem? Er hat gaaanz tief drinnen ein Herz aus Gold. *seufz* Hey! Ich muss es wissen! Okay, er weiß es auch noch nicht… Aber bis an sein Herz zu kommen war die spannendste Herausforderung meiner Schreiberkarriere 😀

Zitat:
Ich behalte immer Recht. Schon vergessen?“
Im Gegensatz zu ihr, ließ er jedes Wort und auch das Satzende schwer wie gefällte Baumstämme zu Boden fallen, plump und endgültig. Tatsachen.

Dann ist da B. Er ist kein Mensch, kann aber sprechen und hat Fell. Und er ist in seinem jugendlichen Charme der größte Klugscheißer und die überhaupt rechthaberischste Labertasche des Universums. So ein Typ, der immer den Ton angibt, niemals stillsitzt und vor soviel Tatkraft und hüpfender Energie strotzt, dass einem beim Zuschauen ganz schwindlig wird. Schnurren, knurren, keckern. Alles inklusive. Plus eine Ausdrucksweise die zwischen halsbrecherisch und pseudointellektuell schwankt.
Das Problem? Er ist absolut süß! Liebenswert und rotzfrech. Hallo, wer kann einem charmanten, respektlosen Fellknäuel schon widerstehen?

Zitat:
So ihr Witzfiguren. Nachdem wir nun am zweiten Beispiel erneut erleben durften, welch unfassbares Talent ihr besitzt, Schwierigkeiten geradezu magisch heraufzubeschwören, können wir ja nun wieder demjenigen das Kommando überlassen, der weiß wohin wir gehen. Einwände?“

Und aus dem Fanfiction Bereich hätten wir da noch X. Über den kann man sogar im Internet völlig frei lesen. Mindestens so arrogant wie S., aber er ist die explosive Variante. Melancholisch und hitzköpfig, redet gern und viel und hält sich selbst für den Besten. Dabei steckt er voller Unsicherheit.  Er ist das sprichwörtliche Pulverfass, bei dem nur ein Funke genügt, ist emotional labil und mit seinem eigenen Schmerz beschäftigt.  Ich hab ihn übrigens nicht erfunden, schließlich ist er Teil einer Fanfiction zu Star Wars.
Das Problem? So viel Tragik und Schmerz in einer Figur, da muss ja das Helfersyndromherz anspringen.

Zitat:
Xanatos sprang von seinem Sitz, taumelte und schlug erneut zu. Diesmal traf seine Faust die Wand. Schmerz schoss seinen Arm hinauf. Herrlicher, banaler, körperlicher Schmerz, der die Tränen in seinen Augen verdrängte, das zweistimmige Lachen von Meister und Schüler, das wohlige Gewicht der Hand seines Meisters auf seiner Schulter…
Nein!“, schrie er. Raffte die Bilder zusammen, fuhr sich zitternd mit der Hand über die Wange, wo das Fleisch nur langsam vernarbte. Die einzige Erinnerung, der er sich hingeben wollte. Durfte. Flammen, schmelzendes Fleisch und die grüne Lichtschwertklinge, die den Tod brachte.
Jetzt brannten seine Tränen vor Hass, als er sie sich vom Gesicht wischte. Er würde nicht schwach sein. Er würde bekommen was er wollte. Seinen Schatz. Und nicht nur das, es genügte nicht. Alles würde er sich holen. Alles.