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Wieso der schon wieder?

Juli 2

Ich kann’s euch auch nicht sagen. Ist ja nicht so, als lägen meine Bösewichts-Fangirlietage lange hinter mir. Wirklich…
Aber jetzt sitze ich hier, es ist fast Mittag und meine Familie hat bisher nur meinen Kopf von mir zu sehen bekommen, der über dem Laptop hervorragt und das wegen LOKI!
Halloho!
Eine FanFic? Schon wieder? Möchtest du nicht mal was ERNSTHAFTES schreiben?
Ganz ehrlich? Liebend gern!
Aber die Idee kam einfach angedackelt, hat sich aufgedrängt, in beinahe kompletter Ausfertigung und schrie mir ganz zärtlich in den kreativen Teil meines Hirns: Schreib! Es! Auf!
Und das mach ich.
Und ihr lieben Leser, die ihr den erwachsenentypischen Reifegrand der Begeisterungslosigkeit schon erreicht habt: Sorry.
Ich bin einfach nur total begeistert mich mal wieder in eine Geschichte reinsaugen zu können, etwas zu erschaffen. Egal was für einen mangelnden literarischen Wert aus der Sicht von sonstwem das jetzt hat. Ich bin im Schreibrausch und wenn das gerade mit Loki geht, dann halt mit Loki.
In was für Gefilde das bisher geführt hat… bringt sogar meinen Männe zum Kopfschütteln. Aber er grinst dabei. Puuuuh. Glück gehabt.
Seltsame, seltsame Wege.
Ich verbleibe, nicht ohne euch das beständige „Klackerdiklack“ einer ratternden Tastatur aus den Neunzigern in den Kopf gesetzt zu haben.
Gesegneten Sonntag!

Schneekind

Juli 30

Ich dachte mir nichts, als ich sie zum ersten Mal sah.
Beim zweiten Mal erinnerte ich mich nur, wegen des Kinderwagens: Ein schneeweißes Gefährt, das beinah lautlos über den holprigen Boden glitt.
Extravagant, dachte ich. Aber das lag nur an dem Ort, an dem ich ihr begegnete.
Auf dem Friedhof.
Doch immerhin war ihre Miene ernst. Sie war allein und das Baby schrie nicht.
Ich konnte mich wieder dem Grab meines lange verstorbenen Mannes widmen. Das Unkraut hatte keine Chance gegen meine neu gesetzten Begonien. Zweimal die Woche rückte ich ihm zuleibe und wenn es zu lange nicht regnete, marschierte ich auch alle zwei Tage zum Gießen auf. Im Hochsommer jeden Tag.
Und wie es sich gehört, waren meine Gedanken bei der Arbeit voller Erinnerungen, längst ihrer Farben beraubt, zum Glück auch ihrem Schmerz. Meistens…
Manchmal blitzte ein Bildfetzen greller auf, als die anderen, stach in Herz und Augen und zwangen mich dazu, mir über das Gesicht zu wischen. Wegen der schweißtreibenden Arbeit, so es.wirkte es hoffentlich.
In einen dieser Blitze fuhr der schneeweiße Kinderwagen, an dem Tag, als ich sie zum dritten Mal sah.
Und zum ersten Mal wirklich bemerkte.
Wie ein nächtlich eingeschaltetes Licht, blendete er mich, war viel zu hell für diesen Moment. Für diesen Ort. Für alles.
Es rumpelte leicht, als die Dame, die ein flatterndes Sommerkleid trug über eine Bodendelle steuerte. Ich stieß ein Schnauben aus und schüttelte den Kopf.
Für eine Sekunde zuckte sie, zögerte und fuhr dann unbeirrt weiter, den Kopf mit der wehenden Haarpracht noch ein bisschen aufrechter.
Von da an, beobachtete ich sie, wenn unsere Besuchszeiten sich kreuzten.
Immer trug sie Make-Up und war der Inbegriff der Gepflegtheit.
Nie blieb sie vor einem Grab stehen.
Und immer war ihr Blick mit dem Kind im Wagen beschäftigt. Ein überaus braves Ding, das niemals die Ruhe der Toten störte. Nicht wie seine Mutter.
Sie lachte nie. Weinte nie. Wirkte in ihrer Aufmachung immer Fehl am Platz. Schneeweiß der Wagen und sie oftmals in frühlingsbunter Aufmachung. Die gefasste Miene nur dem Ort zuliebe, an dem sie sich befand.
Sie war mir ein Rätsel.
Und ein Dorn im Auge.
Sie war ein Kaffeefleck auf einer frisch gebügelten Tischdecke. Gehörte nicht hierher.
Sollte mit ihrem kleinen Leben irgendwoanders schattige Wege in der Sommerhitze suchen und die Toten den Trauernden überlassen.
Der Sommer verging, Blumen verwelkten und der schneeweiße Kinderwagen ratterte weiter über die Friedhofswege. Das Kind verschlief die Besuche und seine Mutter kleidetete sich leuchtender, je düsterer die Tage wurden.
Frau Kötzle und Herr Frech steckten die Köpfe zusammen und schimpften leise. Aber mir schienen ihre Stimmen lauter zu werden, wie meine Blicke kälter, mit jedem Tag, den wir uns an den Anblick gewöhnten. Und auch der Ärger wurde zur Gewohnheit.
Schließlich kam der Tag, an dem der Kinderwagen stecken blieb.
Ich sah die Frühlingsfrau vor mir den Weg entlang schweben wie eine Tänzerin. Der Herbst hatte sich bereits rotgolden verabschiedet und uns in den Winter entlassen.
Die Landschaft war so weiß, dass die Gräber heute wie finstere Flecken wirkten.
Ich hielt höflichen Abstand, konnte den Kinderwagen heute ganz gut ignorieren, heute verschwand er beinahe inmitten all des Schnees.
Doch gerade als ich dies dachte, rumpelte es, die Dame stockte halb in der Kurve und der Kinderwagen neigte sich gefährlich zur Seite. Sofort lehnte sie sich in ihrem fellbesetzten Mantel dagegen, stützte das Gefährt und fand das Gleichgewicht wieder.
Es war so schnell gegangen, dass ich kaum drei Schritte hatte machen können, doch die hatten mich unfreiwillig nahe genug herangebracht, um einen Blick auf das Kind werfen zu können. Zu müssen!
Im flauschig ausgekleideten Inneren des Wagens purzelte ein Plüschtier zur Seite.
Ansonsten war er leer.
Die Dame setzte ihren verwaisten Kinderwagen zurück, holte um die Ecke weiter aus und stockte. Schaute über ihre Schulter.
Ich blieb stehen.
Meine Zunge schwer wie Blei, mein Gesicht erschlaffte zu roher Teigmasse, bei meiner Suche nach einem Satz, einem Wort des Verstehens.
Vergeblich.
Ihre Augen blitzten trotzig, doch jetzt sah ich genauer hin.
Unter den Stolz und die Farbe, die wie eine Maske ihr wahres Gesicht vor der Welt verbarg.
Ich hatte mich geirrt.
Die Trauer und der Schmerz waren tiefste Echtheit. Alles andere war aufgesetzt.
Hier war sie echt.
Abgetaucht aus einer lauten, schillernden Welt des Feierns und Lebens.
Hier weinte ihr Herz durch die Maske hindurch, ohne sie je zu verwischen.
Dieser Ort gehörte uns.
Denen die Trauern.
Uns.

Bösewichte und solche die weniger wichtich sind

Mai 30

Längst längst fertig gestellt, im letzten Post ja erwähnt und jetzt schnell durchkorrigiert und veröffentlicht… mittlerweile hat meine literarische Huldigung gewisser antagonistischer Charaktere ja fast schon so was wie Tradition: Seto Kaiba und Xanatos lassen grüßen. Und während der Hochphase meiner Avengersbegeisterung entstand diese Geschichte zum Chaosgott Loki. Na ja, ob es eine Huldigung ist… weiß ich nicht. Für hingebungsvolle Schmelzbegeisterung bin ich vielleicht zu… ähm… wehe jemand sagt jetzt „alt“. Seid kreativ und überlegt euch ein anderes Wort. Mehr so ne Art prosaisches Psychogramm seiner Persönlichkeit. Und zugleich mit freundlichen Grüßen an alle HSP (Hochsensiblen Personen) 🙂

Wie immer auf FanFiktion.de: Taubenpfad und Lügenschleier

Der Tiger mit dem schwarzen Schwanz

Oktober 26

Es war einmal ein Tiger mit einem schwarzen Schwanz.
Niemand wusste wieso.
Die anderen Tiger machten sich darüber lustig, waren verwirrt und gingen ihm aus dem Weg. Sie erzählten sich, dieser Tiger sei der letzte gewesen, den Gott geschaffen hatte und als er ihm die sonnenschimmernde Farbe seines Fell gab, sei ihm die lebendige Farbe ausgegangen. Sie hatte nicht mehr für den Schwanz gereicht und so musste er nun für immer die Schwärze der langen Finsternis tragen, die vor dem Leben, vor der Welt gewesen war.
Es war eine gute Legende. Sie erklärte alles.
Doch der Tiger mit dem schwarzen Schwanz dachte nach. Er hatte schon immer darüber nachgedacht, sich gefragt, warum, woher, wieso? Die Antworten der anderen schienen ihm fadenscheinig, lückenhaft, unlogisch. Wieso sollte Gott eine begrenzte Lebensfarbe haben? Wieso sollte er der letzte geschaffene Tiger sein, wo es doch viel jüngere gab als ihn?
Er fand keine Ruhe. Keine Erklärung, nicht die Legende genügte ihm. Sie sagte, er solle es einfach hinnehmen, akzeptieren und dabei waren es doch die anderen, die das unmöglich machten. Die seinen Schwanz anstarrten, tuschelten. Sie taten es nicht absichtlich, sie wollten ihn nicht ausgrenzen, doch da war einfach immer dieser Unterschied. Selbst wenn sie nicht mehr hinsahen, sie verhielten sich trotzdem anders.
Dabei gab es bis auf die Farbe keinen Unterschied. Der Tiger mit dem schwarzen Schwanz prüfte es nach. Versuchte herauszufinden, ob mehr mit seinem Schwanz los war. Doch bis auf die Farbe, schien nichts anders zu sein, weder schlechter, noch besser.
Der Tiger fand keine Ruhe. Er suchte nach Antworten, nach einem Grund, nach der Wahrheit. Und fand sie nirgendwo bei den Tigern und nicht bei den anderen Tieren.
Irgendwann wandte er sich an den Schöpfer selbst und fragte: „Du hast mir diesen Schwanz gegeben. Wieso?“
Und der Schöpfer sah ihn an und antwortete:
„Was tust du?“
Der Tiger überlegte. „Ich denke darüber nach, wieso ich anders bin. Und darüber, welche Jagdgründe wir lange nicht besucht haben, denn dort wird sich die Beute vemehrt haben. Und darüber, dass wir unseren Winterbau dieses Jahr noch wärmer auspolstern müssen. Und darüber, dass die kluge Tigerin mit den leuchtenden Augen sich so seltsam verhält, weil sie schwanger ist und…“
Er unterbrach sich, denn es gab noch viel mehr was er beobachtete und bedachte, aber das konnte den Schöpfer doch nicht interessieren. „Solche Sachen“, fügte er hinzu.
Der Schöpfer nickte und blinzelte sanft.
„Und was tun die anderen?“
„Sie gehen jagen und balgen sich und kämpfen. Sie schlafen und ruhen, sie leben einfach.“
Wieder nickte der Schöpfer. „Hättest du keinen schwarzen Schwanz, meinst du, du hättest jemals begonnen nachzudenken? Zu fragen und zu suchen? Zu prüfen und hinterfragen? Zu durchdenken und dich nicht abhalten zu lassen von der Suche nach der Wahrheit? Hättest du keinen schwarzen Schwanz, würdest du dann heute mit mir sprechen?“
Der Tiger schüttelte den Kopf. „Nein.“ Er wäre so wie alle anderen. Er würde zu ihnen passen und nicht mehr anecken, auffallen, ausscheren ohne es zu wollen. Er würde nicht sehen und nicht fragen und nicht so viel denken.
„Deshalb hast du deinen schwarzen Schwanz. Er gehört zu dir. Er ist was du bist und was du sein sollst.“

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