Juli 10

Die Geschichte beginnt laut.
Und endet leise.
Laut, denn da sind gebrochene Flügel, die im Fallen schlagen, obwohl jede Bewegung schmerzt. Den Sturz aufhalten wollen, obwohl sie es nicht mehr können. Und das Schlagen und Rauschen wird übertönt vom Schrei des Stürzenden.
Aber da ist ein zweiter Schrei, der sich mit dem ersten mischt. Der Schrei eines Mädchens am Boden, die schreit, weil sie den Aufschlag am Ende fühlt und nichts dagegen tun kann. Weiß und hilflos ist.
Doch dann endet ihr Schreien und sie singt. Sing ein Lied von Glaube und Liebe und Hoffnung. Singt, um diese Sekunden aus Angst und Leid mit Schönheit zu füllen. Für sich und für ihn.
Doch der Stürzende hört sie nicht.
Sie singt von dem was sein sollte, was unmöglich ist.
Und während sie singt heilen die Flügel.
Und das Unmögliche wird real.
Die Flügel fangen den Sturz auf und er landet.
Doch sie sieht ihn nicht. Denn sie ist blind. Sah nichts, fühlte nur den Schmerz und die Not, als wäre es die eigene.
Er steht vor ihr und sagt: „So ist es.“
Doch sie glaubt ihm nicht.
Denn sie sieht nicht.
Der Schmerz ist verschwunden, doch sie sieht nicht was sie gesungen hat. Was wahr geworden ist.
Am Ende ist Stille.
Denn die Stimme, die zu ihr spricht, braucht keinen Schall.
Sie legt die Worte sacht in ihr Herz.
Höre und vertraue mir.